Amnesty Leipzig beim globalen Klimastreik!

Am 25.09. wurde wieder global für effektive und sofortige Maßnahmen im Kampf gegen die Klimakrise gestreikt, auch in Leipzig. Wir, als auch zahlreiche weitere Organisationen und Vereine, waren mit einem Infostand am Augustusplatz dabei, haben Material zu Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit der Klimakrise verteilt und mit Passant_innen über Menschenrechte und die Klimakrise diskutiert.

Millionen von Menschen protestieren gegen die Untätigkeit ihrer Regierungen, prangern Missstände an oder fordern Aufklärung. Dafür sind Menschenrechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit entscheidend. Weltweit gerät zivilgesellschaftliches Engagement aber zunehmend unter Druck und wird kriminalisiert. Umweltaktivist_innen zu schützen und ihren Handlungsspielraum zu erhalten, ist eine zentrale menschenrechtliche Aufgabe. Aus diesem Grund haben wir zum globalen Klimastreik insgesamt 138 Unterschriften für aktuelle Amnesty Urgent Actions bezüglich der Kriminalisierung von Umweltschützer_innen in Peru und Honduras gesammelt. Urgent Actions (Eilaktionen) sind Petitionen, die schnellstmögliches Handeln bei Menschenrechtsverletzungen erfordern und sich meist an Entscheidungsträger_innen (Regierungen, Botschaften etc.) wenden.

Die eine Urgent Action befasst sich mit dem Tod eines Umweltaktivisten, der sich gegen illegalen Bergbau in Peru einsetzte. Die Eilaktion ist an die Staatsanwaltschaft Perus adressiert, mit dem Ziel, dass diese eine gründliche und unparteiische Ermittlung durchführt. Mehr zu dieser Urgent Action hier: https://www.amnesty.de/mitmachen/urgent-action/aktivist-ermordet-familie-gefahr

Die zweite Urgent Action setzt sich mit einer drohenden Inhaftierung mehrerer Umweltschützer_innen in Honduras auseinander. Betroffen ist die Umweltorganisation Comité Municipal para la Defensa de Bienes Comunes y Públicos, die Flüsse schützen wollen. Dabei wurden sie wegen „schwerer Brandstiftung“ und „unrechtsmäßigen Freiheitsentzugs“ angeklagt. Mit dieser Urgent Action wurde ein faires Gerichtsverfahren gefordert. Der Zeitraum zum Unterschiften sammeln für diese Urgent Action ist mittlerweile abgelaufen.


Außerdem haben wir einige Teilnehmer_innen gefragt, warum sie am globalen Klimastreik teilnehmen. Hier sind einige ihrer Antworten.

Warum bist Du heute hier?

Fotos: © Amnesty Leipzig

Es waren vor allem viele junge motivierte Menschen vor Ort, leider kaum Ältere. Auf einer Bühne wurde währenddessen Musik gespielt. Der Klimawandel bedroht alle Menschenrechte – bürgerliche und politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle. So haben alle Menschen ein Recht auf Leben und das Recht darauf, in Freiheit und Sicherheit zu leben. Doch das macht der Klimawandel für Milliarden von Menschen zunehmend unmöglich. Aber auch Menschenrechte, die menschenwürdige Lebensgrundlagen wie das Recht auf Gesundheit, das Recht auf Wohnen und das Recht auf Zugang zu sauberem Wasser und Hygiene schützen, sind betroffen. Folgen des Klimawandels beeinträchtigen gerade solche Rechte immer mehr.

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass von 2030 bis 2050 jedes Jahr 250.000 Menschen an den Folgen des Klimawandels sterben könnten: durch Malaria, Mangelernährung, Durchfall und Hitzestress. Indigene Völker sind besonders stark betroffen, weil ihre Lebensräume in Gefahr geraten. Ihr Menschenrecht auf Selbstbestimmung steht auf dem Spiel. Außerdem droht der Klimawandel Ungleichheit, Diskriminierung und Ungerechtigkeit auf der Welt zu verstärken. Denn seine Folgen treffen oft die Menschen besonders hart, die ohnehin schon benachteiligt werden, zum Beispiel arme Menschen, Frauen, Indigene, Schwarze Menschen und People of Color. [1]

Mehr Informationen zu Menschenrechten und der Klimakrise hier: https://www.amnesty.de/informieren/aktuell/menschenrechte-und-klimawandel

Werdet aktiv und setzt euch für Klimagerechtigkeit und climate action ein! #FightEveryCrisis


[1] Glossar: Farbige/farbig ist ein kolonialistischer Begriff und negativ konnotiert. Eine Alternative ist die Selbstbezeichnung People of Color (PoC, Singular: Person of Color). Begriffe wie „Farbige“ oder „Dunkelhäutige“ lehnen viele People of Color ab. Die Initiative „der braune mob e. V.“ schreibt: „Es geht nicht um ‚biologische‘ Eigenschaften, sondern gesellschaftspolitische Zugehörigkeiten.“ Um das deutlich zu machen, plädieren sie und andere dafür, die Zuschreibungen Schwarz und Weiß groß zu schreiben.* Eine alternative Schreibweise ist, weiß klein und kursiv zu schreiben. Der Braune Mob e.V. schreibt hierzu: „Bei den Bezeichnungen “Schwarz” und “weiß” geht es natürlich nie wirklich um die Farbe, nicht einmal um eine genau definierbare Menge Menschen: So wenig wie z.B. alle europäischen Weißen von Schweden bis Südspanien ernsthaft einer einzigen “Gruppe” zugeordnet werden können, kann das mit allen Schwarzen funktionieren. Weder sind alle Weißen ein “Volk” noch sehen sie sich im Schnitt im entferntesten ähnlich noch haben sie ausser einiger durchschnittlicher äusserlicher Eigenheiten irgendwelche Gemeinsamkeiten. Damit sie aber benannt werden kann, welche sozialen Gemeinsamkeiten aus dem Konstrukt des Rassismus entstanden sind, wie zum Beispiel, dass seither und noch heute unterschiedliche Chancen auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt bestehen), hat sich der Begriff “Weiße” bewährt. Bezeichnet werden also keine ‘biologischen’ Eigenschaften sondern gesellschaftspolitische Zugehörigkeiten.“

Mehr Informationen zu anti-rassistischer Sprache hier: https://www.derbraunemob.de/faq/#f03

20. Oktober 2020